Sieger in der Kategorie „Kulturlandschaft & Landwirtschaft/Forstwirtschaft“

Schafherden für offene Almen: Das Ennstal-Lamm

(c) Steirischer Schaf- und Ziegenzuchtverband eGen

Die landwirtschaftliche Nutzung nahm im Bezirk Liezen in der Steiermark wie auch andernorts in den letzten Jahrzehnten dramatisch ab. Der Rückgang der Landwirtschaft an den Flanken der Täler führte zur vermehrten Aufgabe von Almen, die Verwaldung nahm zu. Grund genug, sich nach einer nachhaltigen Möglichkeit für die Offenhaltung der Almen umzuschauen – und in Althergebrachtem fündig zu werden. Denn im Bereich der Schafhaltung kann das Ennstal durchaus als das Kerngebiet der Steiermark bezeichnet werden.
Seit dem Jahr 2008 weiden im Almgebiet rund um den Hauser Kaibling im Ennstal im Sommer rund 800 Schafe. Betreut werden sie von einem professionellen Wanderhirten, der im Sommer 3 bis 4 Monate rund um die Uhr auf der Alm bei den Schafen verbringt. Mithilfe seiner Hütehunde lenkt er die Schafherde so, dass die Almflächen freigehalten und aufwachsende Zwergsträucher zurückgedrängt werden.
Aus 22 verschiedenen Betrieben der Region stammt die Schafherde. Unterschiedliche Schafrassen wie das weiße und das braune Bergschaf, das Suffolk-Schaf und die Walliser Schwarznase beweiden nun den Hauser Kaibling, auf den auch schon früher Schafe aufgetrieben wurden. Damals waren es etwa 300 Stück, die sich jedoch frei bewegen konnten und nicht zahlreich genug waren, um die vorhandenen Flächen offen zu halten. 738 Tiere hatte der Hirte, der im ersten Projektjahr, 2008, aus Sachsen-Anhalt kam, zu hüten. Zwei Personen aus der Region hat er zu Hirten ausgebildet. Von den Ansässigen hatte bisher niemand das notwendige Wissen, um Schafherden professionell zu leiten.
Nicht nur die Neohirten, auch die Schafbesitzer genießen Aus- und Weiterbildungen. Klauenpflegekurse werden besucht, Gesundheitsmaßnahmen in den Heimbetrieben durchgeführt und Exkursionen veranstaltet.
Um auch wirtschaftlich von dem Projekt zu profitieren, wurden Produkte vom Ennstal-Lamm gemeinschaftlich vermarktet und neue Produkte von Schaf und Lamm entwickelt. Hotels, Gasthäuser, Hüttenwirte, Bauernmärkte und Bauernläden freuen sich ebenso über Lammfrischfleisch wie unterschiedliche Würste. Um den Bekanntheitsgrad des Projekts weiter zu steigern, wurde 2008 das „Almlammfest“ ins Leben gerufen, das seither jährlich stattfindet. Vor Ort werden Spezialitäten mit Lammfleisch zubereitet und Lammprodukte zum Verkauf angeboten.
Zu den zahlreichen Projektpartnern zählt auch die Wissenschaft. Das Lehr- und Forschungszentrum Raumberg-Gumpenstein erforscht die Auswirkungen der Beweidung auf den Pflanzenbestand, den Ertrag und die Futterqualität von alpinen Weiden. Auch die Auswirkungen der Almweide auf die Entwicklung der Mutterschafe sowie die Gesundheit der weidenden Tiere werden überprüft. Nicht zuletzt wird die Pflege der im Weidegebiet gelegenen Pistenflächen am Hauser Kaibling in Zusammenarbeit mit den Hauser-Kaibling-Bahnen untersucht. So bietet die Schafhaltung denn vielleicht auch neue Wege, um vom Schitourismus geschundene Hänge nachhaltig zu pflegen.

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Einreichende Organisation: Steirischer Schaf- und Ziegenzuchtverband
Kontakt: Siegfried Illmayer
siegfried.illmayer@lk-stmk.at
Website: www.leader-ennstal.at/projekte/lamm.htm
Projektlaufzeit: seit 2008
Finanzierung: Eigenmittel, Leader

 

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