Sieger in der Kategorie „Kulturlandschaft & gemeinschaftliche Initiativen“

Natur aus Menschenhand: Schutz und Pflege für die Fließer Sonnenhänge

(c) Archiv Naturpark Kaunergrat - Toni Vorauer

Das inneralpine Klima, die Föhnlage und die jahrhundertelange Bewirtschaftung haben im oberen Inntal nahe Landeck eine einmalige Trockeninsel geschaffen: die Fließer Sonnenhänge. Eine unglaubliche Vielfalt an Pflanzen- und Tierarten macht dieses Gebiet zu einem bedeutenden Trockenrasenkomplex, dem größten Tirols. Auch äußerst seltene Arten wie etwa die Ameise Epimyrma stumperi und der Schmetterling Conisania poelli sind hier zu finden.
Ende des vorigen Jahrhunderts führte der Rückgang der extensiven Weidewirtschaft zur Verbuschung und gefährdete den Fortbestand der Sonnenhänge. Mit Gründung des Naturparks Kaunergrat im Jahr 1998 besann sich die Gemeinde Fließ jedoch erneut dieses Naturjuwels. Gemeinsam mit den rund 70 Grundbesitzern in den Fließer Sonnenhängen wurde ein Pflegeplan entwickelt. Durch Maßnahmen wie die Neuerrichtung und Sanierung von Weiderosten, Lesesteinmauern und Weidezäunen und die erstmalige Entbuschung zugewachsener Bereiche wurde die Beweidung mit Ziegen, Schafen und Rindern wieder möglich.
Die Gemeinde Fließ, die Fließer Bauern, Naturschutzexperten und der Naturpark Kaunergrat arbeiten nunmehr seit 2002 gemeinsam an der Umsetzung von traditionellen Bewirtschaftungsformen, um die Vielfalt der Sonnenhänge zu bewahren. Und es profitieren alle Partner im Netzwerk: Die Bauern haben neue freie Weideflächen, vor allem in den für sie wichtigen Jahreszeiten Frühjahr und Herbst. Die Ziegenhaltung wurde aufgewertet. Zudem besteht die Möglichkeit, den „Gewinn für die Natur“ mit einer zusätzlichen Erwerbsmöglichkeit für die Bauern zu verbinden, etwa durch die Produktion und Veredelung von Ziegenmilch, mit dem „Kaisermantel“, einem rotgeschmierten Ziegenkäse, als Leitprodukt.
Über spezielle Führungen erlangt die Vielfalt der Sonnenhänge auch touristischen Wert. Der Tourismus freut sich über ein intaktes Wegenetz, das auch Themenwege umfasst, und neue interessante Angebote für Einheimische und Gäste (z. B. Schmetterlingsleuchten, Genuss- und Kräuterwanderungen, Tierbeobachtungen) sowie zusätzliche Nächtigungen.
Natürlich profitiert auch der Naturschutz. Pflegemaßnahmen sichern in dem Gebiet, das seit 2001 unter Naturschutz steht, Strukturvielfalt und Offenhaltung, der Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten bleibt erhalten, und das Bewusstsein für Naturschutz steigt. Zwei mehrjährige Forschungsprojekte evaluieren zudem den Erfolg der Pflegemaßnahmen. Weiters führen Schulklassen Projekte zu Naturschutzthemen durch (z. B. zu Entbuschung sowie Bau und Betreuung von Nistkästen für Wiedehopf und Bienenhotels), nehmen an naturkundlichen Exkursionen im Naturpark teil oder freuen sich über die mehrtägigen Naturerlebnistage.
Das Projekt stärkt die Wertschätzung und Identifikation der lokalen Bevölkerung mit ihrer Region und steigert die überregionale Bekanntheit.
Aus der Bewahrung von Altbewährtem, der traditionellen Bewirtschaftung, kann also etwas Neues wie zuvor nicht gegebene Erwerbschancen für die Bauern bzw. den regionalen Tourismus entstehen.

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Einreichende Organisation: Naturpark Kaunergrat (Pitztal-Kaunertal)
Kontakt: Ernst Partl
naturpark@kaunergrat.at
Website: www.kaunergrat.at
Projektlaufzeit: seit 2002
Finanzierung: Gemeinde Fließ, Land Tirol, Interreg IV A Italien – Österreich, Leader


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