Sieger in der Kategorie „Kulturlandschaft & Bildung“

Bildung durch Praxis: Die Vorarlberger Wiesenmeisterschaften

(c) Max Albrecht

Die Grundidee der Wiesenmeisterschaft ist einfach, aber sehr wirkungsvoll. Die Wiesenmeisterschaft kann mit der Prämierung von Leistungen in der Tierzucht verglichen werden: Im einen Fall geht es um die Honorierung von Zuchtleistungen, im anderen um die Anerkennung der Leistung eines Biodiversitäts-Managements am Bauernhof.
Im Rahmen der Wiesenmeisterschaften werden artenreiche Wiesen ausgezeichnet, die von Vorarlberger Bäuerinnen und Bauern durch eine nachhaltige Bewirtschaftung und gute landwirtschaftlichen Praxis geschaffen wurden. Seit Beginn des Projekts im Jahr 2002 sind es bereits rund 400 Bäuerinnen und Bauern, Mehrfachteilnahmen mitgezählt, die ihre Wiesen der Bewertung der Fachjury unterzogen haben, um eine Auszeichnung für ihren Einsatz und die daraus entstandene Artenvielfalt zu bekommen. Aber auch um von Experten Hinweise und Tipps zu erlangen, wie man Wiesen ökologisch wertvoll und nachhaltig bewirtschaftet.
Denn jede Wiese, mit der an den Meisterschaften teilgenommen wird, wird von Experten wissenschaftlich begutachtet und bewertet. Die dominierende Pflanzengesellschaft der Wiese wird ebenso beurteilt wie das Vorkommen seltener und gefährdeter Pflanzen und der Einsatz zur Erhaltung von Landschaftselementen. Jeder Teilnehmer bekommt eine schön illustrierte Beschreibung der eingereichten Flächen. Und jene, die nicht zu den Gewinnern zählen, erhalten zudem ein Schreiben mit Bewirtschaftungsvorschlägen, die eine ökologische Verbesserung bewirken sollen.
Den auserkorenen „Wiesenmeisterinnen“ und „-meistern“ winkt eine zweitägige Exkursion unter der Leitung der Wiesenexperten Georg Grabherr und Walter Dietl zu den Wiesen und Weiden im Engadin und in Südtirol. Für die Zeit der Exkursion werden die Kosten für einen Betriebshelferdienst übernommen.
Aber nicht nur das: Der Titel „Wiesenmeister“ kann geradezu als ökologische Zertifizierung gewertet werden. Landwirtinnen und Landwirte von Exkursionsbetreiben im Biosphärenpark Großes Walsertal etwa, die sich als Exkursionsbetriebe betätigen, heben ihren Titel hervor, um auf die Bedeutung der Bäuerinnen und Bauern bei der Gestaltung des Biosphärenparks hinzuweisen.
Das ist ganz im Sinn der Wiesenmeisterschaften: Denn die Wiesenmeisterschaft möchte die Leistung der Bäuerinnen und Bauern zur Pflege der Kulturlandschaft bewusst machen und geschicktes Naturschutzmanagement würdigen. Zugleich soll die Wiesenmeisterschaft zeigen, dass nur eine standortangepasste Nutzung die Lebensräume der Pflanzen- und Tierwelt bewahren kann.
Das Konzept macht Schule. Inzwischen gibt es in Baden-Württemberg, in der Schweiz, im Wienerwald und seit 2010 auch in Südtirol Nachfolgeprojekte. Alle diese Wiesenmeisterschaften sind aus der Idee der Vorarlberger Wiesenmeisterschaft hervorgegangen und berufen sich auch auf diese.
Die Vorarlberger Wiesenmeisterschaft wird vom Vorarlberger Naturschutzrat, der Initiative „Grünes Vorarlberg“ sowie der Vorarlberger Landesregierung veranstaltet. Die Abteilung für Natur- und Umweltschutz der Vorarlberger Landesregierung übernimmt Organisation und Koordination.

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Einreichende Organisation: Abteilung Umweltschutz beim Amt der Vorarlberger Landesregierung
Kontakt: Max Albrecht;
max.albrecht@vorarlberg.at
Website: www.vorarlberg.at/umwelt
Projektlaufzeit: seit 2002
Finanzierung: Vorarlberger Naturschutzfonds, LE 07–13: Maßnahme 323

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